Universal Design for Learning diklusiv
Wie lässt sich Unterricht so gestalten, dass digitale Medien Teilhabe für alle Lernenden ermöglichen? Dieser Forschungsstrang verbindet das Universal Design for Learning (UDL) mit digital-inklusivem (diklusivem) Unterricht, also der systematischen Verknüpfung von digitalen Medien und Inklusion. Das daraus entwickelte UDL diklusiv versteht „universal“ nicht als die eine Lösung für alle, sondern als Vielfalt der Zugänge: als methodisch-didaktischen Rahmen, der individuelle Lernunterstützung und Kooperation im inklusiven Unterricht ermöglicht.
Barrieren abbauen, Zugänge öffnen
Bildungsbenachteiligungen werden nicht zwingend durch digitale Medien verursacht, können durch sie aber verstärkt werden. Zugleich bieten digitale Medien vielfältige Potenziale, Exklusionsrisiken im Unterricht zu verringern und neue Zugänge zum Lernen zu ermöglichen. Das UDL diklusiv setzt genau hier an: Es überführt die Prinzipien des Universal Design for Learning in einen Rahmen, der digitale Medien gezielt für Teilhabe nutzbar macht.
Die drei Säulen des UDL diklusiv
Lernengagement
Verschiedene Angebote, um Interesse zu wecken, Anstrengung und Ausdauer aufrechtzuerhalten und selbstreguliertes Lernen zu unterstützen.
Repräsentation
Wahlmöglichkeiten bei der Wahrnehmung, bei Sprache und Symbolen sowie für das Verständnis von Inhalten.
Aktion & Expression
Unterschiedliche motorische Handlungen, Optionen für Ausdruck und Kommunikation sowie Unterstützung exekutiver Funktionen.
Digitale Medien als Brücke
Drei Eigenschaften machen digitale Medien für einen digital-inklusiven Unterricht besonders anschlussfähig: Multimedialität ermöglicht die parallele Verarbeitung von Informationen über mehrere Sinneskanäle, Interaktivität erlaubt es Lernenden, Inhalte gezielt zu steuern und auszuwählen, und Adaptivität passt Angebote an individuelle Bedürfnisse an, im Großen wie im Kleinen.
Am Beispiel des Schreibens einer Fabel wird das konkret: digitale Planungstools für selbstreguliertes Arbeiten, multimodale Darstellungen aus Text, Video und Animation für das Verständnis, alternative Präsentationsformate für den Ausdruck sowie Kontrast-, Schriftgrößen- und Vorlesefunktionen für die Wahrnehmung.
Ein Bausatz, keine Schablone
Das UDL diklusiv ergänzt herkömmlichen Unterricht, damit alle Schüler:innen Zugang zu Lerninhalten finden. Es funktioniert als Bausatz: Einzelne Elemente werden je nach Bedarf ausgewählt, nicht alle müssen berücksichtigt werden. So entsteht eine Vielfalt der Zugänge, die der Lernvariabilität jeder Lerngruppe gerecht wird.
Der Rahmen wird in der universitären Lehrkräftebildung erprobt und prägt, wie für einen digital-inklusiven Unterricht professionalisiert wird.
Empowerment durch offene Lernsettings
Offene, digital-inklusive Lernsettings zielen auf Empowerment: Lernende sollen als aktive Subjekte ihrer Bildung handeln. Das Universal Design for Learning adressiert Barrieren präventiv und fördert Learner Agency, also die Fähigkeit, das eigene Lernen aktiv zu steuern. In Verbindung mit Diklusion entstehen Lernumgebungen, die Autonomie und Kooperation zugleich ermöglichen. So werden UDL und Diklusion zum Gestaltungsprinzip für Empowerment in offenen Lernsettings.