Teilhabe an digital-inklusiven Bildungsprozessen: das UDL diklusiv
Wie gelingt Teilhabe, wenn digitale Medien im inklusiven Unterricht eingesetzt werden? Der Beitrag stellt mit dem „UDL diklusiv“ einen Planungsrahmen vor, der Digitalität und Inklusion zusammendenkt.
Digitale Medien: Türöffner und Barriere zugleich
Der Beitrag fragt, wie Teilhabe an Bildung gelingt, wenn digitale Medien im inklusiven Unterricht eingesetzt werden. Digitale Medien können Barrieren abbauen und Lernzugänge öffnen, zugleich aber neue Ausgrenzungen erzeugen. Als Antwort stellen die Autor:innen ein didaktisches Rahmenmodell vor, das Digitalität und Inklusion konsequent zusammendenkt: „Diklusion“, also digital-inklusives Lehren und Lernen.
Vom Konstrukt zur Unterrichtsplanung
Der konzeptionelle Beitrag verbindet das Konstrukt der Diklusion mit dem evidenzbasierten Universal Design for Learning (UDL). Ergänzt wird die theoretische Herleitung um Erfahrungen aus einer universitären Ausbildungsmaßnahme an der Europa-Universität Flensburg samt einer Seminarevaluation mit Lehramtsstudierenden.
Drei Kernpunkte
UDL diklusiv als Planungsrahmen
Das UDL wird für den Einsatz digitaler Medien adaptiert und rückt in drei Säulen mit neun Feldern die Lernvoraussetzungen der Schüler:innen in den Mittelpunkt der Planung. Es dient als Baukasten für eine proaktive, heterogenitätssensible Gestaltung von Unterricht.
Chancen und Risiken zugleich
Digitale Medien eröffnen Zugänge, etwa über Vorlesefunktion, Visualisierung oder alternative Ausdrucksformen. Sie können aber auf technischer, inhaltlicher und sozialer Ebene neue Barrieren schaffen. Der digitale Graben verstärkt bestehende Ungleichheiten, weshalb bewusste didaktische Gestaltung nötig ist.
Wirkung der Ausbildungsmaßnahme
In der Erprobung berichteten 20 von 23 Lehramtsstudierenden einen positiven Einfluss auf ihre Haltung zu digital-inklusivem Lernen. Zugleich wirkte die Komplexität des Modells anfangs überfordernd; deshalb werden Baukastenprinzip und curriculare Verankerung betont.
Diklusion und UDL werden ein Planungsrahmen
Eigene Darstellung der Kernidee (nicht Teil der Originalpublikation).
Diklusion schon in der ersten Ausbildungsphase
Der Beitrag liefert ein praktikables Reflexions- und Planungsinstrument, um Digitalisierung und Inklusion als Einheit zu denken. Er verortet diklusive Unterrichtsentwicklung bereits in der ersten Phase der Lehrkräftebildung und plädiert dafür, die Einstellungen (angehender) Lehrkräfte zum Nutzen digitaler Medien positiv zu verändern. Zugleich benennt er offene Fragen zur empirischen Fundierung und Umsetzbarkeit.
Im Wortlaut
Bildungsbenachteiligungen werden nicht zwingend durch digitale Medien selbst verursacht, können durch diese aber intensiviert werden (Niesyto, 2007). Andererseits bieten digitale Medien vielfältige Potenziale, Exklusionsrisiken im Unterricht zu verringern (Bosse, Schluchter & Zorn, 2019) und Lern-Zugänge zu eröffnen. Der Artikel beschäftigt sich vor diesem Hintergrund mit der Frage nach Teilhabe an digitalen Bildungsprozessen in inklusiven Unterrichtssettings. Zunächst werden Chancen und Risiken des Einsatzes digitaler Medien im Unterricht beleuchtet und vor dem Hintergrund des Konstrukts der Diklusion betrachtet. Anschließend wird mit dem Universal Design for Learning diklusiv ein Rahmenkonstrukt zur methodisch-didaktischen Planung von Unterricht sowie eine damit zusammenhängende universitäre Ausbildungsmaßnahme zu diklusivem Unterricht vorgestellt. Abschließend erfolgt eine kritische Einordnung und Diskussion für die Lehrer:innenbildung.
Original-Abstract der Publikation. Die Lizenz CC BY-ND 4.0 erlaubt die Wiedergabe im Wortlaut.
Zentrale Bezugnahmen des Beitrags
- Schulz, L. (2021). Diklusion – Fünf-Ebenen-Modell für die digital-inklusive Schule.
- Böttinger, T. & Schulz, L. (2021). Individuelles und gemeinsames Lernen mit digitalen Medien im inklusiven Unterricht (UDL diklusiv).
- CAST (2018). Universal Design for Learning Guidelines (Version 2.2).
Auswahl der im Beitrag verwendeten Literatur; vollständige Nachweise im Original.
Zum Nachlesen
Diese Seite fasst den Beitrag in eigenen Worten zusammen. Das Original-Abstract wird unter der offenen Lizenz CC BY-ND 4.0 im Wortlaut wiedergegeben.