Inklusion und Gerechtigkeit in der KI-Bildungspolitik der DACH-Region
Ein Vergleich von zehn KI-Bildungspolitik-Dokumenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigt: Inklusion und Gerechtigkeit werden sehr unterschiedlich adressiert; verbindliche Vorgaben fehlen überall.
KI-Politik – inklusiv und gerecht gedacht?
Weltweit haben über 50 Regierungen nationale KI-Strategien veröffentlicht, doch nur wenige greifen Inklusion und Gerechtigkeit ernsthaft auf (Schiff 2022). Ohne entsprechende Rahmen droht KI bestehende Bildungsungleichheiten zu verstärken (Varsik & Vosberg 2024; van Dijk 2020). Die Studie untersucht erstmals vergleichend, wie die DACH-Region Inklusion und Gerechtigkeit in ihrer KI-Bildungspolitik verankert.
Methode & Daten
Untersucht wurden zehn offizielle KI-Bildungspolitik-Dokumente aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, herausgegeben auf Bundes-, Landes-, Kantons- und interkantonaler Ebene. Die systematische, kategoriengeleitete Auswertung erfolgte in MAXQDA und verband induktiv gebildete Codes zu Inklusion und Gerechtigkeit mit einem deduktiven Analyserahmen. Leitfragen: Wie werden die Prinzipien konzeptualisiert, wie unterscheiden sich die Länder, und beziehen sie sich auf UN-BRK und SDGs?
Drei Länder, drei Wege – eine Lücke
Gerechtigkeit an Strukturen geknüpft
Die deutschen Texte auf Systemebene verknüpfen Gerechtigkeit mit strukturellen Ungleichheiten und schlagen konkrete Maßnahmen vor.
Über individualisiertes Lernen
Die österreichischen Texte rahmen Gerechtigkeit vor allem über individualisiertes Lernen.
Als universeller Zugang
Die Schweizer Texte fassen Gerechtigkeit als universellen Zugang, ohne strukturelle Verankerung.
Allen drei gemeinsam: Umsetzung wird vor allem als Kompetenzaufbau gedacht, die Selbstverpflichtungen bleiben weitgehend Absichtserklärungen, die Beteiligung betroffener Gruppen fehlt fast ganz, und kein Text bezieht sich auf UN-BRK oder SDGs. Inklusion erscheint so als universelle Absicht statt als rechtebasierte, verbindliche Vorgabe.
Inklusion & Gerechtigkeit im DACH-Vergleich
Eigene Darstellung der Befunde (nicht Teil der Originalpublikation).
Was das für die Bildungspolitik heißt
Inklusion und Gerechtigkeit gehören als Kernprinzipien in nationale KI-Strategien, und zwar mit verbindlichen, überprüfbaren Zielen. Die Studie plädiert dafür, Inklusion als grenzüberschreitende Gemeinschaftsaufgabe zu verstehen: mit geteilten Good-Practice-Beispielen und gemeinsamer Beobachtung über die DACH-Region hinweg.
Im Wortlaut (CC BY)
This paper examines AI-in-education policy texts from Germany, Austria, and Switzerland, commonly referred to as the DACH region (D for Deutschland, A for Austria, and CH for Switzerland). Drawing on a qualitative content analysis of ten policy texts issued at federal, state, cantonal, and inter-cantonal levels, the study investigates how inclusion and equity are conceptualised, how the texts envisage putting these commitments into practice, and whether they refer to international normative frameworks such as the UN Convention on the Rights of Persons with Disabilities (UN-CRPD) and the Sustainable Development Goals (SDGs). The findings reveal that the same vocabulary reflects different understandings. The German system-level texts link equity to structural inequalities and propose measures; the Austrian texts frame it through individualised learning; the Swiss texts frame it as universal access. Implementation is envisaged mainly as capacity building, commitments remain largely aspirational, participation of affected groups is nearly absent, and no text refers to the UN-CRPD or SDGs. The study provides a comparative analysis of how inclusion and equity are addressed in AI-in-education policy texts across the DACH region and argues that inclusion currently figures as a universal aspiration rather than a rights-based, operational commitment.
Das Abstract stammt aus dem frei lizenzierten Open-Access-Artikel (CC BY 4.0, International Journal of Inclusive Education). Die übrigen Texte auf dieser Seite sind eine eigene Zusammenfassung und geben nicht den Originaltext wieder.
Zentrale Bezugnahmen des Beitrags
- Ainscow, M. (2020). Promoting inclusion and equity in education: lessons from international experiences. Nordic Journal of Studies in Educational Policy.
- UNESCO (2005). Guidelines for Inclusion: Ensuring Access to Education for All.
- OECD (2024 / 2025). AI definitions and AI literacy frameworks.
- Varsik, S., & Vosberg, L. (2024). The Potential Impact of AI on Equity and Inclusion in Education. OECD.
- Schiff, D. (2022). Education for AI, not AI for education: policy analysis. · van Dijk, J. (2020). The Digital Divide. Polity Press.
Auswahl der im Beitrag verwendeten Literatur; vollständige Nachweise im Originalartikel.
Zum Nachlesen
Hinweis: Open-Access-Artikel (CC BY 4.0), erschienen am 29. September 2026 im International Journal of Inclusive Education.