AI is all you need?
Der deutschsprachige Grundlagenbeitrag zum „AI Divide“: Wie Künstliche Intelligenz gesellschaftliche Ungleichheit verstärken kann und wie transformative Bildung dem entgegenwirkt.
Vom digitalen zum „AI Divide“
Seit vier Jahrzehnten prägen Diskurse um digitale Spaltung die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichem Wandel (van Dijk 2005, 2020; Hargittai 2001). Mit der rasanten KI-Entwicklung verschiebt sich diese Frage zu einem „AI Divide“, der bestehende soziale Ungleichheiten nicht nur reproduziert, sondern verstärken kann. Der Beitrag analysiert die Wechselwirkungen von KI-Entwicklung, digitaler Ungleichheit und gesellschaftlicher Teilhabe.
„AI For Whom?“ im European Journal of Education." data-i18n-fr="Il s’agit de la contribution fondamentale en langue allemande de cet axe de recherche ; un prolongement en langue anglaise est paru sous le titre « AI For Whom? » dans l’European Journal of Education." data-i18n-es="Es la contribución fundamental en lengua alemana de esta línea de investigación; una continuación en lengua inglesa apareció con el título « AI For Whom? » en el European Journal of Education." data-i18n-en="It is the German-language foundational article of this research strand; an English-language continuation appeared as „AI For Whom?“ in the European Journal of Education.">Es ist der deutschsprachige Grundlagenbeitrag des Forschungsstrangs; eine englischsprachige Weiterführung erschien als „AI For Whom?“ im European Journal of Education.
Theoretischer Zugang
Der Beitrag ist konzeptionell-theoretisch. Aus der Digital-Divide-Forschung und dem Begriff der Digitalität (Stalder 2018) heraus werden technologischer Solutionismus und Techno-Ableismus (Shew 2020, 2022; Walgenbach 2023) kritisch geprüft. Entwickelt wird das Begriffspaar Inclusive AI und AI for Inclusion sowie, mit Bezug auf transformative Bildung (Mezirow 1995) und pädagogische Ermöglichungsräume (Schluchter 2020), die Verzahnung von AI Safety und AI Alignment mit inklusiven Bildungsprozessen.
Drei Kernaussagen
KI kann Ungleichheit verstärken
Der AI Divide reproduziert bestehende Disparitäten über Zugang, Kompetenzen und Nutzen hinweg und kann sie sogar verstärken.
Keine rein technische Lösung
Technologischer Solutionismus und Techno-Ableismus verkürzen soziale Fragen auf technische Probleme. KI Safety und Alignment müssen inklusiv gedacht werden.
Bildung befähigt zur Mitgestaltung
Transformative Bildung soll nicht nur zur technischen Anpassung, sondern zur aktiven Mitgestaltung einer inklusiven, KI-geprägten Gesellschaft befähigen.
Die drei Ebenen des AI Divide
Eigene Darstellung nach der Digital-/AI-Divide-Forschung (nicht Teil der Originalpublikation).
Was das für Bildung heißt
Inklusion sollte als kontinuierliches Reflexionsmoment in Entwicklung und Einsatz von KI verankert werden. Schule braucht pädagogische Ermöglichungsräume mit Reflexion, kritischer Medienanalyse und partizipativer Gestaltung, damit KI im Sinne von „AI for Inclusion“ zu mehr Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit beiträgt und der AI Divide sich verringert.
Im Wortlaut (Open Access)
Seit vier Dekaden prägen Diskurse um digitale Spaltungen die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Transformationsprozessen im Kontext von Digitalität. Mit der rasanten Entwicklung von KI-Technologien manifestieren sich diese Disparitäten in einem emergierenden „AI Divide“, der bestehende soziale Ungleichheiten nicht nur reproduziert, sondern potenziell verstärkt. Der Beitrag analysiert die Wechselwirkungen zwischen KI-Entwicklung, digitaler Ungleichheit und gesellschaftlicher Teilhabe und argumentiert beispielhaft gegen technologischen Solutionismus und Techno-Ableismus, die komplexe soziale Herausforderungen auf technisch zu lösende Probleme reduzieren. Stattdessen wird die Notwendigkeit einer kritischen Verzahnung von AI Safety und AI Alignment mit inklusiven Bildungsprozessen herausgearbeitet. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie transformative Bildung Menschen nicht nur zur technischen Anpassung, sondern zur aktiven Mitgestaltung einer inklusiven und KI geprägten Gesellschaft befähigen kann. Der Beitrag schlägt vor, Inklusion als kontinuierliches Reflexionsmoment bei der Entwicklung und Implementierung von KI zu verankern und skizziert pädagogische Ermöglichungsräume, die sowohl „Inclusive AI“ als auch „AI for Inclusion“ fördern können.
Das Abstract ist im Original wiedergegeben; die Wiedergabe ist durch die Open-Access-Lizenz (CC BY) gedeckt. Die übrigen Texte auf dieser Seite sind eine eigene Zusammenfassung und geben nicht den Originaltext des Verlags wieder.
Zentrale Bezugnahmen des Beitrags
- van Dijk, J. (2005). The Deepening Divide. Sage. · (2020). The Digital Divide. Polity Press.
- Hargittai, E. (2001). Second-Level Digital Divide. First Monday, 7(4).
- Stalder, F. (2018). The Digital Condition. Polity Press.
- Shew, A. (2020). Ableism, Technoableism, and Future AI. IEEE Technology and Society Magazine, 39, 40–85.
- Walgenbach, K. (2023). Digitaler Ableismus im Feld der Bildung. MedienPädagogik, 20, 1–26.
- Mezirow, J. (1995). Transformative Learning. · Schluchter, J.-R. (2020). Aktive Medienarbeit als Empowerment. Friedrich Jahresheft XXXVIII.
Auswahl der im Beitrag verwendeten Literatur; vollständige Nachweise im Original (Open Access).